Der Osterjausen-Vergleich: Andere Bundesländer, andere Sitten

Die Fastenzeit ist fast vorüber. Narzissen stecken ihre Köpfe aus der Erde, Amseln, Spatzen und Rotkehlchen verkünden lauthals den Frühling. Bald ist Ostern und das ganze Land freut sich auf die traditionelle Osterjause. Doch wenn es darum geht, was zu Ostern wirklich auf den Tisch kommt, scheiden sich die Geister. Die einen füllen den österlichen Korb mit Reindling oder Osterpinzen, die anderen tragen Oafleck oder Godnknüpfi zur Speisensegnung. Ein Osterjausen-Vergleich. 

 

Bunt gefärbte Ostereier sind ein fixer Bestandteil der klassischen Osterjause.
Bunte Eier werden zu Ostern nicht nur verzehrt, sondern auch versteckt und auf Ostersträuche gehängt.

Nach der Fleischweihe kommt die Osterjause

Das ganze Dorf ist in der Kirche versammelt. Kinder rennen zwischen den traditionellen Weihkörben umher, die den Boden übersähen. Berge voller Köstlichkeiten verbergen sich unter aufwendig bestickten Weihkorbdecken: bunte Eier, Brot, Kren und natürlich der Osterschinken. Nachdem die Speisen geweiht worden und die Familien wieder in ihre Häuser zurückgekehrt sind, ist es endlich Zeit für die heiß ersehnte Osterjause. Was genau auf den Tisch kommt, unterscheidet sich nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch von Dorf zu Dorf, ja manchmal sogar von Haus zu Haus. Nur in einem ist sich der Großteil der Österreicher einig: Ohne Eier, kein Ostern.

Das Ei gilt zum einen als Symbol für das Leben und die Auferstehung. Zum anderen waren Eier in der Fastenzeit früher nicht zugelassen. Deshalb machten Bauern die Eier haltbar, indem sie sie kochten. Um die hartgekochten nicht mit den rohen Eiern zu verwechseln, wurden sie schließlich eingefärbt. Und nach vierzig Tagen fasten, machten die Eier die österliche Jause zu einem ganz besonderen Festmahl. Neben den bunten Eiern spielen bei der Osterjause in den neun Bundesländern aber auch noch andere Zutaten eine große Rolle.

9 Bundesländer, 9 Osterjausen

Süßes Brot in der Steiermark

Hartgekochte Eier, bevorzugt in allen Farben des Regenbogens eingefärbt, dürfen auch bei den Steirern nicht auf dem österlich gedeckten Tisch fehlen. Die Grundlage der steirischen Osterjause bildet aber das Osterbrot, wahlweise mit oder ohne Rosinen. Butter und Marmelade werden auf süßem Weißbrot nur zu Ostern gegen den geselchten Osterschinken getauscht. Osterkrainer, frisch geschabter Kren und Frühlingsgemüse machen die steirische Osterjause komplett.

Kärntner Reindling und Eierkren

Auch in Kärnten vermischt man zu Ostern süß mit pikant. Allerdings dient hier der Kärntner Reindling, auch „Wazan“ genannt, als süße Basis für das Geselchte. Den Reindling kann man hier aber nicht nur mit Osterschinken, sondern auch mit dünn aufgeschnittener Rinderzunge belegen. Dazu jausnen die Kärntner Selchwürste mit Senf und Kren, Eier oder auch Eierkren. Dafür werden Ei und Kren fein geschnitten, mit Essig, Öl und ein wenig Salz und Pfeffer vermischt.

Ein traditionell gedeckter Ostertisch
Vor dem Essen tragen die Österreicher ihre Speisen zur Fleischweihe, wo diese vom Pfarrer gesegnet werden.

Oster-Brettljause im Burgenland

Steirer und Kärntner würden wohl ihre Nasen rümpfen, wenn Burgenländer erzählen, dass bei ihnen zu Ostern statt süßem Weißbrot schwarzes Bauernbrot auf die Oster-Brettljause kommt. Doch abgesehen davon, unterscheiden sich die österlichen Speisen im Burgenland nicht wirklich von der Osterjause in Kärnten und der Steiermark. Geselchtes, Käse und natürlich Eier sind neben dem Schwarzbrot fixe Bestandteile auf dem burgenländischen Ostertisch.

In Niederösterreich bringt die Godn a Knüpfi mit

Auch in Niederösterreich wird zu Schinken, Eiern und Kren traditionell schwarzes Brot gegessen. Außer im Mostviertel: Hier bringt die Taufpatin – im Mostviertel „Godn“ genannt – ihren Patenkindern ein großes Kipferl aus Germteig, das Mostviertler Godnknüpfi, mit.

Wiener Osterpinze und Schinken im Brotteig

In der österreichischen Hauptstadt gehört die berühmte Osterpinze als Grundlage für Osterschinken, Eier und Kren auf den Ostertisch. Eine traditionelle Osterspeise in Wien ist außerdem der Osterschinken im Schwarzbrotteig. Dabei wird – wie der Name schon sagt – der Schinken mit Brotteig umhüllt und eingebacken.

Oafleck und Lampal in Oberösterreich

Die Oberösterreicher sind stolz auf ihren Oafleck – eine Art Brot aus Eiern, die zum Fleisch verzehrt wird. Außerdem gibt es in Oberösterreich als Nachspeise ein Stück vom Lampal. Das ist ein Kuchen in der Form eines Osterlamms. Der sogenannten Oakas, eine Nachspeise aus Milch, Eiern, Rosinen und Zucker, kommt hingegen nur im Raum Schärding auf den Tisch.

Das Osterlamm ist aus klassischem Biskuitteig und in Salzburg besonders beliebt.
Das gebackene Osterlamm symbolisiert das Leben und die Auferstehung.

Salzburgerisches Osterlamm

In Salzburg scheint das Lamm zu Ostern eine besonders wichtige Rolle zu spielen. Hier ist es nicht nur Tradition, einen Osterlammkuchen aus Biskuitteig zu backen, sondern auch zu Mittag essen viele Salzburger einen Lammbraten.

Fochaz und Eiersalat in Tirol

Auch Tirol hat seine Eigenheiten, was die Osterjause betrifft. Hier heißt das Osterbrot Fochaz. Der Name stammt aus dem angrenzenden Italien, kommt von „Focaccia“ und bedeutet so viel wie Ofenbrot. Vor dem Backen stechen die Tiroler mit einer Stricknadel ein Muster in den Fochaz. Für die Osterjause wird er zusammen mit Eiersalat und Rollschinken serviert.

Nüssleschinken im vorarlbergerischen Ländle

Der vorarlbergerische Dialekt ist unverkennbar. Sogar in der Osterjause findet man ihn wieder. Im Ländle kommt neben Geselchtem und Kren nämlich Nüssleschinken mit Sauerkraut und Ei auf den Ostertisch. Dazu essen die Vorarlberger traditionell Schwarzbrot.

Die ganze Familie versammelt sich um den Tisch, es wird gelacht, gekostet und erzählt. So unterschiedlich die Traditionen und Bräuche rund um die Osterjause zwischen den einzelnen Bundesländern und Regionen auch sein mögen, am Karsamstag schmeckt sie ganz besonders gut. So gut, dass man auch noch am Ostersonntag und am Ostermontag davon essen kann. So lange, bis man genug davon hat. Nun dauert es wieder ein ganzes Jahr, bis man den geflochtenen Osterkorb und die bestickte Weihkorbdecke das nächste Mal aus dem Kasten holen und mit den vielen Köstlichkeiten der Osterjause befüllen darf.

 

Eiersalat wird vor allem in Tirol gerne zur Osterjause serviert.
Rezept: Tiroler Eiersalat
Für alle, die heuer zu Ostern etwas Neues ausprobieren möchten: Schon einmal Tiroler Eiersalat probiert? Passt perfekt auf süßes Weißbrot oder schwarzes Bauernbrot.

So geht’s: Zehn hartgekochte Eier schälen und in kleine Stücke schneiden. Die geschnittenen Eier mit einem Esslöffel Mayonnaise, drei Esslöffel Sauerrahm, zwei Teelöffel Senf, zwei Teelöffel Essig und einem Teelöffel Zitronensaft gründlich verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Eiersalat kurz vor dem Servieren mit Schnittlauch garnieren. Fertig!

Laura Reibenschuh

Laura wäre gern Pippi, hat aber definitiv mehr von Annika. Nur die geflochtenen Zöpfe hat sie mit ihrer Kindheitsheldin gemein. Sie ist immer auf der Suche nach dem Neuen, beobachtet die Welt und übersetzt sie in Worte. Wenn sie nicht gerade durch ferne Länder reist, liegt sie wahrscheinlich in ihrer Hängematte im Garten und träumt vom nächsten Abenteuer. Oder spielt mit ihrer Katze Lotti.

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